Das Dimensionstor.. (RP)

  Chanelorn hat garnicht geplant jetzt in sein Haus zu gehen.. und noch weniger hat er geplant diesem Raum einen Besuch ab zu statten. „Verdammt..“, schimpft er leise und versucht das ekelhafte Summen zu ignorieren, welches ganz offenbar vom Portal aus geht. „Wieso macht das so einen Lärm..“, zischend nähert er sich dem Gerät und funkelt es wütend an. Da er wirklich verärgert über den Krach ist, schlägt er mit der blosen Faust ein Mal kräftig gegen die Aussenkante des Kastens und zieht seine Hand kurz danach äusserst erschrocken wieder zurück. Kaum als er das Gerät berührt hat, da tat sich nämlich sofort das Tor auf. „Muss mich das Ding jedes mal fast zu tode erschrecken?“ Übervorsichtig lugt er in den Wirbel hinein und meint diesmal eine verdorrte, graue Ebene mit seltsamen, skelletiert wirkenden Gebäuden darauf erkennen zu können. Kopfschüttelnd wendet er sich ab und geht zur gegenüberliegenden Wand um sich, mit dem Rücken dagegengedrückt, das Teufelsgerät weiter zu betrachten.
Schüler Vermilion ist wohl durch Chanelorn’s ach so leises Aufstehen mit erwacht. Unbemerkt ist er ihm bis zu dessen Haus gefolgt und hat sich dann erstmal hinter der Tür versteckt. Als das Portal sich öffnet schreckt er kurz zurück, ist aber neugierig genug, an Ort und Stelle zu verharren und dem Schauspiel gebannt bei zu wohnen. „Was hast du denn da für ein nettes Spielzeug?“, fragend schiebt er die Tür auf und betrachtet sich seinen Bruder mit sichtlichem Amusement. „Du hast doch keine Angst davor, oder?“ Das Vermilion Angst davor hat, muss er ja nicht zwangsläufig beichten.
  Chanelorn ist so vertieft ins ’sich an die Wand pressen‘ das er nicht bemerkt, wie Vermilion den Raum betritt. Um so überraschter starrt er diesen mit verblüfftem Gesichtsausdruck an. „Ein Spielzeug ist das wohl eher nicht..“, brummend mustert er seinen Bruder von oben bis unten. „Wärst du schon einmal drin gewesen.. wüsstest du, dass es einem zu schrecklichen Orten bringen kann…“, antwortet er nur auf die Frage nach der Angst. Eigentlich selbsterklärend.. Natürlich hat er Angst davor. „Was willst du überhaupt hier? Ich kann mich nicht erinnern dir einen Schlüssel gegeben zu haben..“, fauchend nimmt er Abstand von Vermilion, bleibt aber in halber Entfernung zur Zeitmaschine stehen.
Schüler Vermilion lacht schallend als sein Bruder ihn ganz verdattert anstarrt. „Du bist mir einer. Warum hast du so ein Gerät, wenn du es nicht benutzt, hm?“ Langsam verkürzt er den größer werdenden Abstand zu seinem Bruder. Genervt und schon wieder ein wenig fies wirkend flüstert er lieblich: „Dieser Ort“, und deutet auf das Bild, welches im Portal wie eine Reflektion auf dem Wasser auf ihn wirkt, „ist doch genau das Richtige für dich.“ Ein Grinsen umspielt seine Lippen und er tastet übertrieben lange hinter seinem Rücken um seinen Dolch zu ziehen. „Oder magst du die Einsamkeit nicht?“ Diese Worte untermauernd nähert er sich dem Chan noch etwas, wobei er den Dolch wie einen Lolli vor sich hin und her schwenkt.
  Chanelorn hebt irritiert eine Augenbraue und beginnt zögernd: „aber.. ich.. ich hasse die Einsamkeit..“, und weicht vor seinem Bruder immer weiter zurück. Er will ihn nicht verletzen, solange dieser noch immer krank ist, aber er will sich auch nicht in die Zeitmaschine flüchten. „Bleib da stehen, ich warne dich!“, knurrt er drohend und bleibt schliesslich stehen. Warum weicht er immer vor seinem Bruder zurück? Er ist stärker, schneller und durchaus gleich erfahren wie Vermilion. Und im Moment würde er diesen wohl auch ohne eine Waffe besiegen können. Vielleicht ist’s die Angst davor, ihn zu verletzen. Er weis ja noch immer nicht, was Vermilion zugestoßen ist, dass er nun so.. seltsam geworden ist.
Schüler Vermilion legt den Kopf schief und mustert abwechselnd die Zeitmaschine und seinen Bruder. Er ist äusserst interessiert. Doch alleine will er nicht in diesen Wirbel rein. Da muss sein Bruder schon voraus gehen. „Och, ich tu dir schon nichts – versprochen“, heuchelt er lieblich und verwandelt sich im nächsten Moment in seine Wolfsform und springt seinen Bruder direkt und mit gefletschten Zähnen an. Der Dolch ist ihm dann doch zu klein. Eigentlich will er Chanelorn nicht verletzen, zumindest nicht unbedingt. Wobei er nichts dagegen hätte, wenn er ihn gaaanz ausversehen treffen würde.
  Chanelorn ist schon auf der sicheren Seite seinem Bruder nicht zu trauen. Doch das dieser ihn so offensichtlich belügt hat auch er nicht erwartet. Als der schwarze Wolf auf ihn zugesprungen kommt weicht er zur Seite aus und greift nach seinen Klingen, hält jedoch inne. „Hör sofort auf..“, droht er leise und tänzelt wieder ein paar Schritte näher gen Zeitmaschine. Leider ist der schwarze Wolf ja genau zwischen ihm und der Tür. Da bleibt ihm nur die Flucht nach hinten… leider Gottes. Er spürt schon die aufgeladene Aura des Wirbels hinter sich und seine Nackenhaare stellen sich unweigerlich auf. Er wird nicht gegen Vermilion kämpfen, soviel steht fest.. niemals wird er das. Doch er merkt, wie der Wolf ihn ins Portal lotzen will… das gefällt ihm allerdings garnicht. „Bleib wo du bist. Das ist meine letzte Warnung!“, ruft er,.. doch er glaubt nicht daran, dass sein Bruder sich daran halten wird.
Schüler Vermilion schnappt ins Leere wobei seine Zähne schmerzhaft aufeinander schlagen und verwandelt sich schnell zurück. „Verflucht“, knurrt er und stiert mit funkelnden Augen zu Chanelorn hoch, welcher schon ein gutes Stück näher an der Zeitmaschine steht. Noch ein paar vermeindliche Angriffe und er hat sein Ziel erreicht. „Aber aber, glaubst du ich lasse mir von dir Befehle geben?“ Langsam erhebt er sich und geht ziemlich dominant auf seinen Bruder zu. „Nun, ich kam ja doch noch näher an dich heran.“, triumphiert er und grinst breit, wobei er seinen Dolch an Chanelorn’s Wange setzt und ganz leicht dagegen drückt, sodass sein Bruder den Schmerz und die wenigen Blutstropfen, die aus dem kleinen Schnitt hervortreten ganz bestimmt bemerkt.
  Chanelorn verengt die Augen, als Vermilion Auge in Auge vor ihm steht. Den Dolch sieht er auch und er spürt den Schmerz, doch verharrt er reglos. Er ist enttäuscht, entsetzt und verzweifelt. Was soll er mit seinem Bruder machen? Soll er ihn übers Knie legen und ihm den Hintern versohlen? „Warum tust du das?“, fragt er, schiebt den Dolch beiseite und fährt sich mit der Hand über den Schnitt an seiner Wange. Kurz darauf betrachtet er sich seine rot verschmierten Finger und starrt Vermilion das erste Mal mit hasserfülltem Blick an. „Dafür werde ich dich töten!“, fauchend bemerkt er zu Spät wie der Jäger in ihm die Oberhand gewinnt… Fast kann er ihn nicht bezwingen und muss äusserste Willenskraft aufbringen um nicht seine Schwerter zu ziehen und seinen Bruder in nette, schweigende Scheiben zu schneiden.. Doch er gewinnt diesen innerlichen Kampf und lässt daraufhin seufzend die Schultern hängen.
Schüler Vermilion lächelt, als er Chanelorns Reaktion bemerkt. „Soso, in dir steckt also auch jemand anderes. Interessant.“, stellt er fest und beobachtet ganz genau, wer der Gewinner dieses kleinen Kampfes ist. „Du bist schwach.“, erklingt’s daraufhin und für einen Moment macht er Anstalten das Weite zu suchen. Doch er narrt den Chan nur. Er will ihn in Sicherheit wiegen, nur um ihn dann direkt in den Wirbel zu befördern. „Ich werde nun gehen. Du langweilst mich Bruderherz.“, fauchend geht er in Richtung Tür.
  Chanelorn sieht betreten zu Boden. Er muss ja seinen Bruder nicht im Auge behalten um zu merken was dieser macht. Seine Sinne sind fein genug, dass er Bewegungen auch am Rande seines Sichtfelds wahrnimmt. „Nur weil ich den Mörder besiegen kann, bin ich schwach?“ Als sein Bruder zur Tür geht, atmet er auf. So richtig kann er nicht glauben, dass Vermilion wirklich gehen will.. aber hoffen ist ja erlaubt. Als er sich in Sicherheit wiegt dreht er sich gen Wirbel um. Er steht wirklich verdammt nahe dran, noch ein paar Schritte weiter und er wär hinein gezogen worden. „Verfluchtes Ding.. Wie kriegt man das wieder aus?“, fauchend starrt er auf die Bilder die der Wirbel ihm zeigt. Eines der Gebäude hat einen hohen Turm und ganz viele Fenster. Es scheint bis in den Himmel zu gehen, doch kurz bevor es die Wolken erreicht, verliert es sich in geborstenen Stahlträgern, die wie Gräten aus einem angenagten Fisch ragen. Durch die Bilder ist er abgelenkt… sehr abgelenkt.
Schüler Vermilion hat die Tür erreicht und dreht sich fies grinsend um. Sein Bruder hat den Blick von ihm abgewendet und starrt wie hypnotisiert in den Wirbel hinein. „Perfekt“, flüstert er lautlos zu sich und reibt sich die Hände. Der Moment ist einfach optimal. Absolut lautlos schleicht er sich an Chanelorn heran und hält nur einen Schritt weit neben ihm inne. Natürlich hat er sich immer aus dessem Sichtbereich gehalten – sicher hätte sein Bruder ihn sonst bemerkt. „Fall nicht rein!“, schreit er und springt dem Chan mit aller Kraft gegen die Schulter, wobei der Schwung diesen genau ins Portal hinein schubsen sollte.
  Chanelorn betrachtet ein weiteres Gebäude. Dieses aber ist niedrig und sein Dach ist an etlichen Stellen eingefallen. Einige Bäume sprießen an einem der wenigen Dachreste. Schon allein durch die Betrachtung dieser anderen Welt, fühlt er sich als sei er dort.. das gefällt ihm garnicht. Gerade als er sieht, wie sich etwas im dunkeln hinter einem der Fenster bewegt, dröhnt lautes Geschrei an sein Ohr und ein lähmender Schmerz durchfährt ihn. Verdutzt dreht er sich um, erblickt Vermilion und bemerkt wie er geradewegs auf den Wirbel zusteuert. Leider kann er sein Gleichgewicht nicht wieder finden und wird mit einem Mal wieder von diesem prismatischen Licht erfasst. Er will schreien, doch er kann nicht. Er hat Angst vor dieser Welt,.. die auf ihn zukommen wird. Diesmal ist der Transfer jedoch anders.. das prismatische Licht wird schnell schwächer und verblasst zu grauem Einerlei und dann ist es schwarz um ihn herum und er ist verschwunden.

 Schüler Vermilion wird noch kurz von seinem eigenen Schwung mitgerissen, aber als er gegen Chanelorn’s Schulter prallt doch deutlich verlangsamt. Mit großen Augen beobachtet er seinen Bruder, wie dieser im Wirbel verschwindet. Gerade als er ebenfalls dazu ansetzen will hinein zu springen, löst sich der Wirbel auf und es bleibt nichts ausser ein leises Summen zurück. „Chanelorn?“, ruft er leise und beäugt die Maschine misstrauisch. „Der Trick ist gut.“ Doch keine Antwort kommt. Es ist ja auch kein Trick. „Aber ich wollte doch mit!“ schimpft er wütend und tritt gegen die Maschine. Das Summen wird für einen Moment lauter, verebbt dann jedoch völlig. „Das ist jetzt äusserst ungünstig.“, stellt er fest und zuckt dann mit den Schultern. Ist sein Bruder eben in dieser anderen Welt, was geht’s ihn an. Ein Liedchen summend wendet er sich zur Tür und ist kurz daraufhin auch schon hindurch geschlüpft. Der kleine Disput hat ihn ermüdet. Chans Schlafgemach einen Besuch abstattend wird er hier nächtigen.
  Chanelorn erwacht und findet sich auf dem Boden liegend, nah einer dreckigen Pfütze wieder. Völlig verwirrt erhebt er sich und dreht sich mehrere Male im Kreis. Die monströsen Gebäude tanzen um ihn herum und scheinen auf ihn hernieder zu lachen. Ein hohles Lachen.. und ein erdrückendes. Die Luft riecht abgestanden, teils faulig und muffig. „Wo.. bin ich jetzt schon wieder hineingeraten..“, flüstert er tonlos zu sich und beäugt angespannt die näheren Bauten. Das Gebäude, hinter dessen Fenster er vorhin diese Bewegung ausgemacht hatte.. ist zu seiner Linken.. ganz nah. Es beunruhigt ihn. Zumindest hat er seine Klingen bei sich.. sie geben ihm ein wenig Sicherheit in dieser tot wirkenden Welt. Ganz weit entfernt sieht er das in den Himmel ragende Gebäude. Von so weit unten betrachtet wirkt es noch viel monströser und der Chan kann sich keinen Reim drauf machen, wie es bei der Größe überhaupt so stabil in der Landschaft stehen kann. Vorsichtig entfernt er sich von der Lagerhalle mit dem eingefallenen Dach und geht langsam in Richtung seines erwählten Leuchtturmes – dem höchsten Gebäude was er erkennen kann. Dabei steigt er über allerlei Gerümpel und Kleidungsreste. Noch verwunderter als eben schon, hebt er einen der Kleiderfetzen hoch, wobei ein knorriger Arm heraus purzelt. Angewidert schreckt er zurück, lässt den Fetzen fallen und rennt weiter in Richtung des Gebäudes. Zu beiden Seiten liegen, stehen oder gammeln diese pferdelosen Kutschen an den Straßenrändern.. doch er schenkt ihnen keine Aufmerksamkeit. Ebensowenig wie er den Augen Aufmerksamkeit schenkt, die ihn aus der Dunkelheit der Gebäude heraus verfolgen. Er will nur hier weg. Wenn die Brücke damals das Tor zurück war, so muss es das Fischgrätenhaus hier sein… davon ist er überzeugt.. oder nein, er hofft es inständig.

Langsam breitet sich über den Horizont blasse Dunkelheit aus und taucht die Gebäude, die Straßen, den Unrat in diffuses Licht. Der Chan rennt immernoch.. doch es ist weit bis zu seinem  Ziel.. sehr viel weiter als er angenommen hat. Es reiht sich eine Straßenschlucht an die Andere und er weiss kaum welchen Weg er wählen soll. Teilweise sind die Wege auch unpassierbar, da die Kutschen zu hauf aufgetapelt den Weg versperren. „Was damit aufgehalten werden sollte…“, fragt sich der Chan lieber garnicht erst. Nach etlichen Stunden des Rennens verlassen ihn langsam seine Kräfte. Er braucht einen Unterschlupf für die Nacht. Hier Draußen will er nicht schlafen.. was er sicher auch garnicht könnte. Schutzlos ausgeliefert,. wem oder was auch immer hier lebt oder mal gelebt hat. Vor ihm befindet sich ein Backsteingebäude. Es erscheint ihm weitaus weniger monströs als alles was er zuvor gesehen hat und so entschliesst er sich zu versuchen hinein zu gelangen. Das an dem Gebäude eine große Tafel befestigt ist wo „Kreiskrankenhaus R…“ steht bemerkt er nicht. Langsam geht er die Stufen zur breiten und, zugegebenermaßen ziemlich zerstörten, Eingangstür hinauf. Er wittert Gefahr..  doch er kann nicht genau orten woher diese kommt. Vorsichtig steigt er über die zerbrochenen Glasscheiben und duckt sich durch eins der großen, klaffenden Löcher in der Tür. Als er sich das ausgefranzte Glas dabei betrachtet, meint er Blutreste daran zu erkennen. Alarmiert bleibt er innen am Eingang stehen und starrt in die finstren Korridore hinein. Sein Atem beschleunigt sich, als er ganz am Ende eines Korridors eine Bewegung aus macht. Doch wer oder was das auch gewesen ist.. es ist zu schnell wieder verschwunden. Langsam überkommen ihn ernste Zweifel ob der Wahl seiner Schlafstätte. Doch wo sollte er sonst hin?.. Die anderen Gebäude erscheinen ihm noch angsteinflössender als dieses hier. Seine Klingen ziehend geht er langsam Schritt für Schritt vorwärts. Dabei tritt er auf allerlei Müll. Verbandszeugs, benutzte Spritzen, ein Defibrilatorpad (womit er natürlich nichts anfangen kann) und noch andere, weitaus weniger erfreuliche Dinge. Er will die „Person“ finden.. die da vorhin im Korridor herumgerannt ist. Wenn er sie doch nur finden und fragen könnte, was hier passiert ist. Natürlich hat er die Abnormalität dieser Welt schon bemerkt, als er noch zuhause war… Doch jetzt dringt sie mit jedem Atemzug in seine Lungen.

Nach einigen Minuten erreicht er schliesslich die Stelle, an der die Person war und wendet sich gen links. Dort ist eine breite Treppe, die offenbar ins Kellergeschoss führt. Kurz zweifelt er, dass jemand freiwillig im Keller hausen würde.. doch lebte auch er lange Zeit in einem Keller. Langsam und seine Hände fest um die Griffe seiner Klingen geklammert geht er Stufe um Stufe die Treppe hinab. Auch hier liegt allerlei Müll herum, wobei er vorsichtig sein muss, keinen Lärm zu erzeugen. Wer weis schon, was er damit wecken könnte. Als er unten angelangt ist, erstreckt sich ein weiterer Korridor gute 50 Meter vor ihm. Zu beiden Seiten stehen etliche Türen offen. „Ganz schlechte Idee…“, murmelt er kaum hörbar und versucht seine Anspannung damit etwas zu überspielen, doch gelingt ihm das nicht wirklich gut. Er hat das Gefühl als säße ihm jemand im Nacken.. und dreht sich um. Doch da ist nichts. Nur die Treppe.. „Nur die Treppe…“ Das Gefühl bleibt jedoch. Und je länger er hier unten ist, desto intensiver wird es. Er kann sich kaum dagegen wehren.. und muss sich sichtlich bemühen nicht sofort planlos die Flucht zu ergreifen. Aber zu Fliehen ist ein guter Gedanke.. und so wendet er sich wieder der Treppe zu. Doch dabei nimmt er aus dem Augenwinkel wieder eine Bewegung wahr.. ganz nah, an der ersten der Türen. Blitzartig dreht er sich um und kann gerade noch einen menschlichen Kopf erhaschen, der schnell wieder zurück gezogen wird. Würde er nur wissen womit er es zu tun hat.. wäre ihm womöglich wohler.. „Wartet..“, flüstert er und rennt mit wenigen Schritten zur Tür hin. Doch als er hinein schaut, ist da niemand mehr. Nur ein kleiner Raum, mit einem metallischen Gestell darin und mit einem loch in der Wand, welches ganz offenbar in einen anderen Raum führt. Chanelorn ist nun aufs höchste alarmiert und lauscht in die Stille hinein. Er muss sich doch nur auf seine Sinne verlassen… Ganz leise Schritte dringen an sein Ohr, irgendwo hinter ihm. Langsam scheinen sie sich zu nähern, aber er ist sich nicht sicher. Es sind mehrere Personen. Mindestens 3. „Xsa…“, lautlos fluchend dreht er sich um und presst seinen Rücken gegen die Wand neben der Tür, wobei er langsam an die Wand gepresst gen Treppe zurück rutscht. Er muss leise sein, denn die Schritte nähern sich nun ganz eindeutig.. Aus allen Richtungen. „Das kann nicht sein… xsa.. xsa..“, nuschelt er, doch würde er am liebsten laut aufschreien vor Verzweiflung. Wohin soll er nun fliehen?.. Er kann nicht weg.. ist gefangen. Die Schritte, schlurfend und garnicht so schnell, wie die vermeindlich beobachtete Bewegung es angedeutet hat, sind nun ganz nahe. Seine Klingen nun schon krampfhaft umklammernd bemerkt er in der Korridordecke ein Loch, welches eigentlich groß genug sein müsste, damit er hindurchpassen könnte. Er kann es erreichen..

Mit den Klingen passt er aber nur in Wolfsform hindurch. Im Rennen verwandelt er sich, springt und landet zur Hälfte in besagtem Loch. Gerade als er seine Hinterbeine noch hinterher ziehen will, bemerkt er eine Berührung. Erst ganz sanft, doch im nächsten Moment fest zupackend. Leise aufjaulend krallt er sich ins blanke Aluminium des Schachtes, in dem er gelandet ist, hinein und macht tiefe Fruchen mit jedem cm den er sich vorwärts kämpft. Schliesslich lässt die Hand genauso abrupt von seinem Bein, wie sie ihn gepackt hatte und Chan bricht ziemlich ausser Atem, schockiert und entkräftet zusammen. Hoffentlich kommt der Eigentümer der Hand nicht auf die Idee, dem Wolf hinterher zu klettern. Aber der Korridor ist recht hoch.. Sollte das ein Mensch gewesen sein, dürfte er Probleme haben den Chan zu erreichen….. Nach kurzem Sekundenschlaf reisst ein lautes Poltern den Chan wieder hoch. Es kommt aus dem Schacht in dem er liegt…

Chanelorn erhebt sich laut knurrend und starrt in die schmale Röhre vor sich. Womöglich war’s auch nur der Wind.. Im Schacht ist’s recht zugig. Langsam geht er tiefer in den Schacht hinein.. wobei er ausserordenlicht froh sein kann, dass er keine Klaustrophobie hat. Die Röhre ist eng und er hätte sich in seiner Drowform hier drin kaum bewegen können. Nach vielen.. endlos vielen Metern erreicht er eine Abzweigung. Eine Röhre geht nach links, die andere nach oben. Nach oben kann er aber nicht, da die Röhre senkrecht hinauf geht und keinerlei Möglichkeit zum festhalten oder festkrallen bietet. Natürlich kann er sich mit seinen Wolfskrallen wie an einem Gletscher hocharbeiten. Doch das würde er in seiner Verfassung nicht schaffen. So wählt er den linken Abzweig und folgt diesem bis zu einem fehlenden Lüftungsgitter. Misstrauisch lauscht er in die Stille des darunter liegenden Raumes hinein. Da ist niemand.. da kann niemand sein. Er würde auf diese Entfernung und in dieser Stille sogar einen leisen Atemzug hören können… Noch immer äusserst misstrauisch steckt er seinen Kopf durch die ziemlich schmale Öffnung und besieht sich den Raum. Alle Türen sind geschlossen, das Fenster ist intakt. Da scheint niemand hinein gelangen zu können. Mühsam zwengt er sich durch die Öffnung.. in der Gewissheit dort nicht wieder hinaus flüchten zu können. Mit leisem Poltern landet er auf dem Boden und beobachtet aufs äusserste angespannt den leeren Raum.. Erst nach einigen Sekunden hat sich sein eigener Herzschlag wieder auf eine Lautstärke reduziert, dass er die umliegenden Geräusche wahrnehmen kann. Es ist still. Keine Schritte, garnichts. Erst jetzt betrachtet er sich den Raum genauer. Ein Bett steht unter dem Fenster und vor eine der Türen ist ein Schrank geschoben… Augenblicklich verwandelt er sich zurück und zückt seine Klingen.. wobei er die unverbarrikadierte Tür nicht aus den Augen lässt. Nur langsam kann er sich dazu überwinden sich dieser zu nähern. Zaghaft drückt er die Klinke herunter und öffnet die Tür mit einem Ruck. Der Raum dahinter ist sehr klein. Es scheint ein Badezimmer zu sein.. soweit er es beurteilen kann. Oder es war einmal ein Badezimmer. Er hört noch immer kein Geräusch.. Im Bad ist nur ein Waschbecken und eine Wanne, in der irgendwelche Kleiderfetzen zu liegen scheinen. Langsam nähert er sich der Badewanne und angelt mit einer Schwertspitze einen der Lumpen heraus. Es ist ein großes Stück Stoff, ein Bettlacken oder soetwas in der Art.. Als er es vollständig herausgeangelt hat, entdeckt er die skelettierten Überreste eines Wesens, höchstwahrscheinlich eines Menschen, darunter. Irgendwie hat er erwartet, dass ihn jetzt irgendwas anspringt,. und ist demnach erleichtert nur eine Leiche vor zu finden. Laut ausatmend geht er zurück in den Raum, schliesst die Tür und setzt sich auf den Bettrand. Dieser Raum scheint im Moment der sicherste Ort weit und breit. Jetzt bemerkt er auch, wie entsetzlich müde er ist und lässt sich nach hinten aufs Bett fallen. Es ist weich und bequem… „Hoffentlich“, – so denkt er noch – ,“kommt niemand durch die schmale Öffnung in der Decke..“ Doch da der Gedanke ihm absurd erscheint schläft er ein.

 

Chanelorn erwacht nach einigen Stunden wieder. Sonnenstrahlen tanzen auf seinem Gesicht und zwicken in seine Augen. Die Sonne steht nicht hoch am Himmel, doch genau so hoch, dass sie zwischen zweien der angrenzenden Gebäude hindurch zu sehen ist. Schweigend erhebt er sich und bleibt auf der Bettkante sitzen. Er hat in dem Schacht die Orientierung verloren… doch er will ohnehin nicht wieder in die Korridore dieses Gebäudes zurück. Das Fenster erscheint ihm viel verlockender. Noch immer müde erhebt er sich, klettert auf das Bett und versucht das Fenster zu öffnen.. Irgendwie will sich der Mechanismus ihm aber nicht so recht erschliessen. Auch mehrmaliges Hebel hin und her drehen, ziehen und drücken öffnet das Fenster nicht. „Xsa..“, schimpfend packt er sich eine Klinge und schlägt mit dem Knauf gegen die Scheibe. Doch das Einzige was passiert ist, dass er von seinem eigenen Schwung zurück aufs Bett geschleudert wird. Das Glas bleibt ganz. Mit ungläubigen Augen starrt er auf das Fenster und seine Klinge.. und kann nicht glauben, dass er damit das Glas nicht hat zerbrechen können. Ein neuer Versuch.. und wieder wird er zurück aufs Bett geschleudert.. Ein letzter Versuch.. diesmal mit aller Kraft. Das Ergebnis davon ist jedoch nur, dass er auf den Fußboden vorm Bett zurück geworfen wird. „Nein.. nein ich will nicht.. bitte..“, fleht er und starrt daraufhin zur verbarrikadierten Tür und zurück zum Fenster, durch das noch immer die Sonnenstrahlen aufs Bett scheinen. Wenn seine Klinge das Glas nicht zerstören kann,.. kann es auch keine Magie.. so versucht er es auch garnicht erst und pflückt sich, noch immer auf dem Boden hockend, seine andere Klinge noch vom Bett. Langsam dreht er sich und lehnt sich mit dem Rücken gegen das Bettgestell und starrt nachdenklich zur Tür. Nun weis er ja, warum die Person da im Badezimmer verstorben ist. Der einzige Ausweg aus diesem Raum ist die Tür.. Die Tür durch die er nicht gehen will. Nur äusserst widerwillig erhebt er sich nach etlichen Minuten und geht langsam zur Tür, wobei er jetzt schon wieder seine Klingen krampfhaft fest hält. Mit einem Ruck ist der Schrank beiseite geschoben. Langsam streckt er seine Hand nach der Klinke und drückt diese herunter. Die Tür öffnet sich lautlos und offenbart einen finsteren Korridor dahinter. In die Stille hinein lauschend tritt Chan auf den Korridor hinaus. Aus weiter Ferne dringt ein leises Rauschen in sein Ohr, abgesehen davon ist aber nichts zu hören. „Ich will.. zurück..“, flüsternd betrachtet er sich den Korridor, genauer gesagt sucht er den kürzesten Weg nach Draußen. Zur Not springt er auch aus einem Fenster… Doch er hat die Annahme gefasst, dass alle Fenster in diesem Gebäude unzerstörbar sind und verwirft den Gedanken. Unsicher wählt er den Weg zu seiner Rechten und folgt dem Korridor. Auch hier stehen viele Türen offen.. was ihn noch mehr beunruhigt. Wer weis ob jemand in den Räumen dahinter ist. Als er nach ungefähr 30 vorsichtigen Schritten das Ende des Korridors erreicht hat, erstreckt sich – wie er erhofft hatte – erneut eine Treppe. Diese jedoch führt sowohl nach oben, als auch hinunter. Mit einem mulmigen Gefühl geht er nach unten, wobei er um den Müll auf der Treppe herumnavigiert, um auch blos nicht den kleinsten Ton zu erzeugen. Er ist langsam,. denn es liegt viel Unrat auf der Treppe. Das gesamte Gebäudeinnere scheint Fensterlos, kein einziger Lichtstrahl dringt von ausserhalb herein. Endlich unten angelangt erblickt er unweit neben sich diffuses Licht. Es muss ein Ausgang sein. Hastig rennt er daraufhin zu.. und merkt nicht, wie ein Arm aus einer der angrenzenden Türen geschoben wird und nach ihm greift. Glücklicherweise ist er schneller als erwartet und bekommt davon nichts mit. Das Licht kommt näher.. und er sieht, dass es eine Glasscheibe ist, die ihm den Weg nach Draußen versperrt. „Diesmal muss es klappen…“ In vollem Lauf springt er und wirft sich gegen das Glas, welches splitternd nachgibt. Mit Glassplittern übersäht fliegt er einige Meter weit, trifft dann auf Treppenstufen auf und überschlägt sich dabei noch einige Male. Benommen erhebt er sich schnell wieder, wankt und sieht sich um. Alles dreht sich. Blut läuft über seine Augenbraue in sein Auge und erschwert es ihm zusätzlich klar sehen zu können. Womöglich hätte er die Tür auch einfach aufmachen und hindurch gehen können…? Doch trotz dem, dass er kaum klar sehen kann, erkennt er seinen Leuchtturm und setzt sich sofort wieder in Bewegung… Er ist langsam, doch die hellen Sonnenstrahlen geleiten ihn und halten die Dinge von ihm fern, die unten im Keller des Backsteinhauses auf ihn lauerten… so hofft er. Nun würde er wohl keinen Kampf mehr mit denen überleben.

Nach einigen Stunden, die Sonne steht nun hoch im Zenit, steht er am Fuße des Fischgrätenhauses und starrt hinauf in den Himmel. Einige der Glassplitter hat er nicht herausziehen wollen.. und so schwächen diese ihn so sehr, dass er glaubt gleich hier aufgeben zu müssen. Zum Glück muss er das Haus nicht betreten.. denn ausserhalb erstreckt sich ein metallenes Konstrukt mit vielen kurzen Treppen darauf. Misstrauisch steckt er seine Klingen weg. Mühsam klettert er auf den ersten Absatz und steigt dann ganz langsam Stufe um Stufe hinauf. Es sind wirklich viele Stufen… Als er oben angelangt ist, fällt die Sonne bereits wieder über den Horizont hinab und taucht diese verfallene Stadt in länger werdende Schatten. Aber er ist oben.. „Ich bin endlich da…“, keucht er und klettert auf den äussersten Rand eines noch begehbaren Vorsprungs. Die Stahlträger, welche von hier oben nicht mehr wirklich nach Fischgräten aussehen, sind deformiert und zeugen deutlich von einem Feuer, welches in den oberen Etagen gewütet haben musste.. vor langer Zeit. Kurz lässt er seinen Blick noch einmal über die Stadt schweifen und sieht danach noch kurz zurück zu den Stahlträgern. Eine sachte Bewegung im Dunkel zwischen den Trägern erhascht er noch, und springt hinab…

Erneut breitet er seine Arme aus und deutet mit seinen Händen gen immer näher kommenden Boden, wobei er wieder dieselben, undrowischen, nicht menschlichen Worte vor sich hin murmelt. Immer und immer wieder. Auf dreiviertelstem Weg nach unten spürt er ein Ziehen in seinen Fingern und im nächsten Moment schwebt er in absoluter Schwärze. Nur Sekunden danach landet er neben der Maschine auf dem Fußboden. „Zurück..?“, fragt er rethorisch und atmet tief durch. Er ist tatsächlich zurück. Als ob die Dinge in dieser Welt nicht schon seltsam genug wären.. will er sich nicht noch mit den Monstern in anderen Welten anlegen.. wer weis ob die sonst eines Tages mit in diese gelangen. Eigentlich will er sich ins Bett legen, doch dafür ist er inzwischen viel zu schwach. Mit zusammengebissenen Zähnen zieht er sich noch den störendsten und größten Glassplitter aus seinem Oberschenkel und tritt kurz darauf weg.

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~ von chanelorn - April 18, 2010.

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