Hunger – Nach 5 Worten

Licht – Katzenvieh – Lachen – Möhrchen – Nasenbluten

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da lebte ein Mann in einem Haus…*Welch grandioser Geschichtsanfang*. Er lebte tagein, tagaus allein und wunderte sich manchmal, doch nicht übermäßig oft, warum sein Haus so dunkel war. „Licht ist wohl nicht  nur was durch Kerzenschein erzeugt.. sondern vielmehr was aus den tiefsten Winkeln der eigenen Seele entspringt“. Diese leise gesprochnen Worte sollten sich als wahrhaftiger bewahrheiten, als der Mann wohl zu ahnen in der Lage war.

Es regnete.. tropf, tropf, tropf. Unablässig ergoss sich ein kleines Rinnsal an Wassertröpfchen auf Chanelorn’s weißen Haarschopf. Gelangweilt streckte er sich, zog sich die Bettdecke über seine klatschnasse Stirn und schimpfte leise vor sich hin. „Warum leckt das Dach.. verflucht..“, fauchte er und kroch in die Mitte des Bettes, wo er sich zusammenringelte und versuchte weiter zu schlafen. Ein lautes Donnergrollen riss ihn jedoch sofort aus seinem neu gefundenen Schlaf. „Xsa.. elendiges Wetter, verfluchtes Dach..“, knurrend erhob er sich und schlüpfte gebückt gen Türe. Freilich ist auch die Tür in marodem Zustand, sodass er sie eher aufheben, anstelle von auf drücken darf. Langsam schlurfte er den Flur entlang, bemerkte die schief hängenden Bilder an den Wänden und bog an einem langen, herabhängenden Tapetenfetzen vorüber in die Küche ein. Er war hungrig. Nach durchwühlen sämtlicher Schränke und Gefäße hielt er schließlich ein Stück überaus trocknes Brot in Händen. Mit schiefer Mine beäugte er das Brot und schob es sich schließlich in den Mund. Es schmeckte wie.. ein Stein. Trotz sorgfältigsten Kauens hatte er dennoch die Befürchtung, es könnte ein Stück irgendeines Zahnes abbrechen. „Scheußlich..“, nuschelnd würgte er einen kleinen Bissen herunter und legte den Rest des Laibes beiseite. Als er gerade wieder in den Flur einbiegen wollte, erklang aus einem Zimmer am Ende des Flurs ein lautes Poltern. Mit hochgezogener Augenbraue schlich er langsam und bedächtig den Flur entlang und lugte durch die Türe hinein ins finstre Schlafzimmer. Niemand schien drin zu sein. „War wohl nur der Wind..“, murrend wollte er sich abwenden, als ein leises Maunzen von unter einem der sieben Betten hervordrang. „Raus hier, du verdammtes..“, beginnend stürzte er sich aufs Bett, unter welchem er das Katzenungetüm vermutete. Ein Fauchen und eine schattenhafte Bewegung später saß die Mieze auf dem Fensterbrett und guckte mit großen Kulleraugen zum Chan, der noch immer in die Bettdecke verbissen da hockte. „Was glotzt du so..“, nuschelnd warf das Chan die Decke nach der Katze und hechtete hinterher. Er war hungrig.. und ein halber Neriwolf. Katzenfleisch wird ihm sicher auch munden. Das Katzentier wandte sich zwar, doch der böse Chan packte’s ganz feste und zog die Decke drumherum auch schön zusammen. Mit dem fauchenden Bündel unterm Arm machte er sich nun wieder auf den Weg in die Küche.

Er war gerade auf der Suche nach einem passenden Kochtopf, als das Katzentier sich doch noch aus der Decke winden konnte.. „Du entkommst mir nicht!“, schreiend versuchte er dem Tier zu folgen, welches bereits auf dem höchsten verfluchten Brett, im höchsten verdammten Schrank saß. Natürlich kann der Chan gut klettern, doch wenn die Schränke durch Moder schon beinahe von alleine zusammenbrechen, nutzt ihm auch die beste Akrobatik nichts. Mit lautem Poltern landete zuerst der Chan auf dem Fußboden, danach mehrere Einlegeböden des Schranks, nun noch die Seitenbretter… und schließlich das Katzentier zu ganz oberst. „Miau“, machend blieb das Monstrum einen Moment auf den Holzbrettern hocken, als wäre der Chan darunter seine Trophäe. „Du kleines Aas..“, schimpfte Chan, doch die Bretter ließen sich einfach keinen Millimeter weit bewegen. „Maunz“, ausstoßend hüpfte das Kätzchen schließlich von Dannen. „Blödes Katzenvieh..!“ Nun konnte sich Chan befreien…

„Au..“, schluchzend rieb er sich den Kopf und bemerkte dabei, dass etwas warmes, klebriges von seinem Kinn tropfte. Irritiert wischte er es sich mit dem Handrücken weg und bemerkte, dass er Nasenbluten(!) hatte. Vielleicht hatte eins der Bretter seinen Kopf heftiger getroffen, als er annahm. „Na prima.“ Langsam erhob er sich und torkelte aus der nun unwohnlichen Küche hinaus in den noch unwohnlicheren Flur. „Wo finde ich jetzt was zu essen?“, fragend taumelte er mal gegen die rechte, mal gegen die linke Wand und wurde schließlich von der Haustür gestoppt. „Argh..“ Als er die Tür öffnete, war er binnen Sekundenbruchteilen vollkommen durchnässt. Doch er musste hinaus, in die feindliche Welt.. Hinaus in den Regen, der fortzuspülen all der schlechten Dinge nicht in der Lage war. Hinaus auf die kalten, klitschigen Stufen… Das er beinahe die Balance verlor und sich wie ein alter Greis am wackeligen Geländer festhalten musste, schob er natürlich auf seine Gehirnerschütterung. Sicherlich hatte er auch ein oder zwei Dübel im Kopf stecken. (Und ja, zu der Zeit, als unser Chan die Welt unsicher machte, waren die Dübel nicht abgerundet,.. sondern an beiden Enden angespitzt.) Die Hände über den Kopf haltend wankte er schließlich den matschigen Weg entlang und hielt auf das Gartentor zu. Das er bei dieser absoluten Wegstrecke von 5 Metern deutlich länger als 10 Minuten brauchte, sei mal dahin gestellt… und sollte hier nicht näher beschrieben werden. Endlich am Tor angelangt, wischte er sich erst einmal den gröbsten Schlamm aus dem Gesicht und begann damit, sich seine Haare wieder einigermaßen zu richten. Natürlich waren beide Aktionen nur bedingt von Erfolg gekrönt… „Da ist der Regen ja doch noch zu was nütze…“, feststellend bog der Chan nun in die Straße ein und folgte ihr bis er die Stadtmitte erreichte. Sein Ziel? Die Schenke natürlich.

Als er dann nun endlich die Stufen zur Schenke empor stieg und sich, rein zufällig natürlich, in einer der Fensterscheiben, welche zu dieser späten Stunde durchaus einem trüben Spiegel glichen, erblickte, richtete er noch einmal seine Frisur, wischte sich das Blut von seinem Mund und von da wo es sonst noch war und ging in die wohlig, warme Schenke hinein.

„Haha!,. Hahaha!“, drang erst einmal direkt und als aller erstes an seine Ohren.. und sein Gesicht verzog sich zu einer unbewegten Maske. „Nein, das gilt nicht mir.. das gilt nicht mir.. nicht hinhören..“, vor sich hin murmelnd suchte er sich einen freien Tisch. „Hahahaha! Harharhar,..“ So ging es die ganze Zeit lang.. und mit jedem neuen Lachen dieser Leute, wuchs der Hass in Chan. Mal stellte er sich vor, wie besagte Personen in zwei Hälften anzuschauen seien.. Dann stellte er sich vor, wie sie mit einem Apfel oder einer Karotte im Mund, auf einem Silbertablett serviert, wohl klingen würden. Kopfschüttelnd über seine Gedanken winkte er der Schankwirtin. Nach endlosen 5 Minuten fand die werte Dame schließlich Zeit für ihn und reichte ihm die Menükarte. Angewidert studierte das Chan die Speisekarte einige, endlose Minuten lang, konnte sich aber nicht entscheiden, ob das vegetarische Bauernfrühstück, oder gar die vegetarischen Spiegeleier mit Möhrchen besser seien. „Das ist ja schrecklich..“

Sicher würde er da lieber verhungern.. ganz bestimmt..

Danke, Danya, für die lustigen Wörterlein^^

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~ von chanelorn - April 20, 2010.

Eine Antwort to “Hunger – Nach 5 Worten”

  1. mein worte, meine Worte *g* aber das du daraus eine so tolle und lustige Geschichte bastelst 🙂 klasse

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